Aus alt mach neu

Da sammelt sich so allerhand an in den diversen Schuppen, Kellern oder Dachböden. Eigener Krempel und Hinterlassenschaften letzter Generationen. Manches lohnt sich mal näher unter die Lupe zu nehmen um die guten Stücke vielleicht wieder zu neuem Leben zu erwecken. So geschehen im Oktober in unserem Landhaus. 

 

Marlies Schiller bei RBB zibb, Thema "alte Möbel neu gemacht

 

RBB zipp Service
RBB zipp Service

Oberflächenbehandlung

Meine Fundstücke sind alt bis mittelalt, aber keine wertvollen Antiqitäten. Da kann ich ohne Scheu loslegen, viel schief gehen kann nicht. Zunächst muss festgestellt werden, welche Behandlung die einzelnen Stücke benötigen um wieder groß raus zu kommen.  

 

Wachsen ist nur geeignet für Möbel und offene Holzflächen, die nicht strapaziert werden, denn das Wachs ist empfindlich gegenüber Wasser. Tropfen hinterlassen weißliche Flecken. Die Wachsschicht sollte auch 1-2 mal im Jahr erneuert und aufpoliert werden. Feucht abgewischt kann so eine gewachste Fläche bei Verschmutzung trotzdem, es sollte nur hinterher trocken gerieben werden.

 

Eine Behandlung mit Leinölfirniss dringt tief in das Holz ein und schafft so eine wetterfeste Imprägnierung, sie macht beanspruchte Flächen schmutzabweisend, trittfest und wasserabweisend. Ein Wassertropfentest zeigt an, ob es Zeit wird, die Olimprägnierung wieder aufzufrischen. 

 

Beize ist lediglich ein Färbemittel. Es dringt in das Holz ein und färbt die Holzfasern, bietet aber keinen Oberflächenschutz. Deshalb sollte nach dem Trocknen noch gewachst werden, die Holzmaserung kommt dadurch noch einmal besonders schön raus und erhält einen seidigen "Antik"-Glanz. 

 

Lasuren dagegen liegen dünn und durchscheinend oben auf der Holzoberfläche auf und bieten einen Oberflächenschutz. Auch hier bleiben Holzmaserungen sichtbar.

 

 

 

Aber egal, welche Oberflächenbehandlung angeraten ist, vorab muss 

mit Maschine und von Hand geschliffen werden. Und das nicht zu knapp, in Holzfaserrichtung von grob nach fein um alte Farbreste, Fett, Schmutz und Flecken zu entfernen und die Fläche so für den neuen Anstrich vorzubereiten.

 


Shabby Chic

 

Ein Einrichtungsstil für Romantiker und Sammler. Und wahnsinnig praktisch, denn für den lässigen "schäbigen" Wohntrend im Used-Look bedarf es keines großen Portemonnaies und auch keiner ausgereiften Handwerkskunst um das ein oder andere Shabby-Accessoire selbst herzustellen. 

 

Shabby Chic Möbel und Accessoires zeichnen sich durch matte zarte Pastelltöne, viel Weiß und wenige dunkle Akzente, verspielte Formen, Schnörkel und feingemusterte Tapeten, Blümchenmuster, Naturstoffe und altes Leder, weiße Lasuren auf grobem Holz, Spitze und Geflecht aus. Patchwork-Decken und gehäkelte oder gerüschte Kissen passen bestens dazu.

Die verschiedensten Muster, Strukturen und Materialien werden kombiniert und heraus kommt dabei ein gemütlicher und lockerer Einrichtungsstil.  

 

Möbel die nicht wirklich alt sind, aber in Form und Material zum Stil passen würden, können auf Alt getrimmt und künstlich, wenn nicht sogar künstlerisch, abgewohnt werden. Das ist hier völlig legitim.

Mit Schleifpapier, Stahlbürste und Hammer geht es den perfekten Farbschichten an den Kragen. Alte mehrlagige Lackierungen werden derb bearbeitet und partiell abgetragen, so dass alte Anstriche hervorblitzen. Mit Krakelierlack aus dem Hobyshop lassen sich sogar gerissene Farbschichten für den Antiklook herstellen. Was ich noch nicht gefunden habe, sind kleine Bohrer zum Simulieren von Holzwurmbefall. Die finden ihren Einsatz auf jeden Fall bei den seriell hergestellten Shabby Chic Stilmöbeln. 

 

 

Die Kunst ist es dann, die Gegenstände so zu kombinieren, das es nicht nur wie bei Oma, wie im Rosa Puppenhaus oder auf dem Sperrmüll aussieht, sondern lebendig, echt und vor allem gemütlich.

 

Der Kreativität sind da keine Grenzen gesetzt, der eine mag es romantisch und verspielt, der andere lieber einfach und bodenständig, ein anderer favorisiert eine reduziertere Version aus einem Mix von Alt und Neu.